RA-Micro: Bananen für die Kunden

504727_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.deEnde Januar haben wir den Fehler gemacht, das Update 2016 in unsere Kanzleisoftware RA-Micro einzuspielen. Wir kamen auch gar nicht umhin, weil der Support nur noch für die Software geliefert wird, die sich auf dem aktuellen Stand befindet.

Das ist nachvollziehbar und sinnvoll. Wenn aber ein altes Problem durch zehn zwanzig neue Probleme ersetzt werden, kann da irgendwas nicht stimmen.

Schauen Sie sich doch mal an,
was die RA-Micro-Entwickler nach dem Update 2016 bisher alles reparieren mußten:

Im Januar 2016 flickten die Entwickler sechs Patches zusammen, im Februar 2016 dann noch einmal sechs. Und wir reden jetzt nicht über 12 Fehlerchen, die bei der Entwicklung übersehen wurden.

So sieht beispielsweise die Mängelliste des Patchs vom 27.01.2016 (Version 16001.33) aus. Nicht alle der Flicken haben den gleichen Umfang, aber in der Summe betrachtet stellt sich die Frage:

War das Update der Software schon reif für die Kunden?

Aus zuverlässiger Quelle habe ich erfahren, daß die Programmierung der Software im Hause RA-Micro teilweise nach ein, zwei Prüfläufen abgeschlossen und dann an die Kunden ausgeliefert werden soll. Genau so kommt es mir auch vor.

Ich habe ja kein Problem damit,
an der Entwicklung eines Programms mitzuwirken. Die Programmierer dabei zu unterstützen, fehlerfreie Software herzustellen, die zumindest auf unserem System läuft. Aber dann möchte ich gern vorher gefragt werden, ob ich mich daran beteiligen möchte.

Und noch eines:
Ich möchte keinesfalls runde 5.000 Euro netto jährlich für eine Software bezahlen und zusätzlich noch an deren Entwicklung mitarbeiten müssen, damit sie überhaupt läuft!

Die Organisationsstrukten von RA-Micro kidnappen integrieren den Anwender in den Aus-, Um- und Aufbau der Software, statt eigene Ressourcen dafür aufzuwenden. Das Update 2016 erscheint mir der klassische Fall einer Bananensoftware zu sein: Reift beim Kunden. Und spart Kosten. Beim Hersteller!
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Bild: © Dieter Schütz / pixelio.de

5 Comments for “RA-Micro: Bananen für die Kunden”

says:

Soviele Kollegen jammern ständig über RA-Micro. Wie furchtbar der Support ist, wie mangelhaft die Software. Ich kenne kaum eine Software, über die sich die Anwender mit solcher Vehemenz regelmäßig beschweren. Und mir, der ob der Preisgestaltung dieser Software nie auf die Idee gekommen ist, sie überhaupt einzusetzen, stellt sich die Frage: Wieso hat RA-Micro soviele Benutzer, wenn das Preis-Leistungsverhältnis doch so schlecht ist? Es gibt genügend Alternativen – eine davon nutze ich übrigens seit 10 Jahren schon zu einem Bruchteil des Preises, den ich für RA-Micro löhnen müsste. Was ist an RA-Micro so zwingend, dass sich ein Wechsel verbietet?

  • Lieber Andreas. Die Kosten stehen hier nicht so sehr im Vordergrund. Es sind die Features, die RA-Micro (auf dem Papier) anbietet, die den Unterschied ausmachen. Das Verhältnis zwischen Preis und Leistung hängt nicht allein vom Preis ab. Ich bin mir ziemlich sicher, daß die Software, die Du für Deine Kanzlei einsetzt, für uns völlig ungeeignet wäre, weil unsere Kanzleien einfach unterschiedliche sind. crh

says:

Wieviel kostet das? Wow, das ist ja ungefähr das 2,5fache von den jährlichen Kosten meiner Anwaltssoftware, mit der ich seit 12 Jahren zufrieden bin. Warum tut man sich das an?

  • Zeigen Sie mir, daß die von Ihnen genutzte Software die Aufgaben, die *wir* haben, zumindest theoretisch genauso gut (oder besser) gelöst werden, wie die von uns eingesetzte Software. Dann kommen wir ins Geschäft. Es nützt mir doch nichts, wenn ich nur 1/3 der Kosten für die Software ausgebe, aber dann wieder Briefmarken auf Umschläge kleben muß. Das wäre am falschen Ende gespart. crh

Ulrich Grigoleit

says:

Es scheint so, dass die Fehlerhäufigkeit zunimmt, wenn Programmteile neu geschrieben werden /neue Features entwickelt werden. Über viele Jahre hatte ich KEINEN einzigen Fehler, allerdings hatte ich auch den Eindruck, die Entwicklung in Richtung mobiles Arbeiten würde etwas verschlafen. Da hat man wohl etwas umgedacht. Der Nachteil vieler Neuigkeiten sind viele Fehler. Ich bin da etwas zwiegespalten. Einerseits kenne ich Programmentwickler bei RA-Micro und weiß, dass die ernsthaft und kompetent (auch an der Fehlerbeseitigung) arbeiten. Andererseits habe ich bereits seit Monaten einen Fehler, der meine Arbeit behindert (Erstellung der Anlagenliste in Schriftsätzen) und es scheint niemanden zu interessieren. So lange ich auch schon mit dem Programm arbeite, treibt mich das in den Blutrausch. Wir haben 9 Lizenzen und stehen wohl kurz vor der Kündigung.

Carsten R. Hoenig

says:

Lieber Kollege Grigoleit.

Ich bin überzeugt, daß bei RA-Micro pfiffige Coder sitzen und ernsthaft an der Entwicklung und den Mängelbeseitigungen arbeiten. Es scheint vielmehr ein Organisiationsversagen vorzuliegen: Der Geschäftsleitung gelingt es nicht, die vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten sinnvoll und effektiv einzusetzen.

Oder sind es wirtschaftliche Überlegungen, die es billiger (sic!) erscheinen lassen, die Anwender für die Weiterentwicklung zu kidnappen und den Support einzuschränken?

Ich rege an, einmal über die Einstellung aller Zahlungen an RA-Micro und – soweit noch möglich – über Widersprüche gegen erfolgte Lastschriften nachzudenken. Dann kommen die betriebswirtschaftlichen Auswertungen zumindest mittelfristig die Gelegenheit, den Chaos-Konzeptionisten auf die Füße zu treten.