RA-Micro: Brandbrief an die Geschäftsleitung

Nachdem wir nun auch noch mit dem Import von Word-Dateien Schwierigkeiten bekamen (die Dateien wurden beim Import in die E-Akte „zerschossen“) und uns selbst routinierte und ausgebildete Techniker aus dem Vertrieb nicht mehr weiterhelfen konnten, habe ich am Tag 3 nach dem Update einen Brandbrief an die Teppichabteilung von RA-Micro geschrieben:

RA-Micro - Adresse Rechtsabteilung

Eine unfreundliche Anrede habe ich mir noch verkniffen, obwohl ich beim Schreiben soooo’n Hals hatte:

… ich möchte Ihnen auf diesem Wege mitteilen, daß unsere Kanzlei seit dem 29.01.2016 nicht mehr mit der von Ihnen gemieteten Software arbeiten kann. Das war der Tag, an dem bei uns das Update auf 2016 installiert wurde. Danach und dadurch kam es zu massiven Fehlern, die dazu führten, daß wir Ihr Programm in weiten Teilen nicht mehr nutzen können.

[…]

Wir haben mit Herrn Schucklies von RA-Micro Berlin Mitte und seinen Mitarbeitern bislang eine hervorragende Unterstützung erhalten, während Ihr Telefonsupport – wenn er denn überhaupt einmal erreichbar ist – mit der Lösung unserer Probleme mit Ihrer Software überfordert zu sein scheint. Die Techniker von Herrn Schucklies scheitern an den fehlerhaften Programmen an sich, nicht an deren Installationen und Einstellungen.

Deswegen wende ich mich nun an Sie und setze Ihnen eine

Frist bis zum Donnerstag, den 4.2.2016, 12 Uhr

innerhalb der Sie Gelegenheit erhalten, uns Ihre Software so zur Verfügung zu stellen, daß wir damit arbeiten können.

Derzeit haben wir (stichwortartig) folgende Probleme notiert, die wir auch schon den Technikern von Herrn Schucklies mitgeteilt haben:

 
Hier folgten nun über zwei Seiten eine Zusammenstellung der Fehler und ihre Beschreibungen. Über die Einzelheiten habe ich in den vorherigen Beiträge berichtet.
 

Mittlerweile ist mir bekannt, daß die massiven Probleme nicht in unserer Kanzlei allein auftreten, sondern nicht wenige RA-Micro-Anwender so wie auch wir nicht mehr arbeitsfähig sind. Ich empfinde die Veröffentlichung dieses Update als einen grob fahrlässigen Angriff auf unser Unternehmen und werde nun das tun, was ich als Jurist und Journalist gelernt habe.

Dazu gehört als erstes die Rückbuchung der Lastschrift für die Februar-Miete; der bereits bis hierher entstandene Schaden übersteigt diese Miete. Den weiteren werden wir den uns durch diese schlampige Programmierarbeit entstandenen Schaden noch substantiieren und geltend machen.

Die freundlichen Grüße am Ende des Briefes habe ich mir dann auch noch abgerungen.

Reaktion der Geschäftsleitung auf den Brief:
Null, nada, nichts, keine, niente, nothing.

13 Comments for “RA-Micro: Brandbrief an die Geschäftsleitung”

GH

says:

Kann mit die ganze Software nicht einfach mal deinstallieren und dann komplett neuinstallieren? Oder wurde das schon versucht?

egal

says:

Es geht ja hier nicht um eine stand-alone Software, so dass einfach die Neuinstallation des Clients nicht reichen wird. Ein Downgrade ist meist wegen der Vernetzung und evtl Änderungen der Datenbank auch recht schwer. Mal abgesehen davon, dass der Aufwand riesig wäre und es zweifelhaft wäre, ob der Betrieb einer nicht geupdatetenn Version überhaupt möglich wäre. Man darf auch nicht vergessen, dass es sich hier um ein System live im Einsatz handelt. Das könnte dann zB heißen, dass man die Arbeit der letzten Monate nochmal machen muss bei gleichzeitiger Bewältigung des aktuellen Geschäfts, was ja wohl grad stark im Workflow gestört und daher viel mehr arbeitsintensiver ist.

Auf jeden Fall eine doofe Situation, wenn man so abhängig ist und der Softwarehersteller sich halbtot stellt. Das Problem ist ja auch, dass bei einer solchen Spezialisierung des Workflows kaum Alternative Software denkbar ist. RA Micro ist schon ein recht komplexes Programm. Es gibt mit diesem Umfang nur wenig Konkurrenz und wenn dann müsste man wohl den Workflow wohl auch grundsätzlich umstellen, was natürlich der Albtraum wäre, weil das deutlich mehr Zeit Kosten würde. Auf das Geld wirds da primär wohl nicht ankommen, aber wenn man statt den eigentlich wichtigen (juristischen) Aufgaben sich dann noch (dauerhaft) mehr dem Verwaltungskrams (zusammen mit der Frustationserfahrung) widmen muss, macht einen das bestimmt ziemlich fertig und beeinflusst wohl auch die Arbeitsergebnisse…

Carsten R. Hoenig

says:

@egal

Besten Dank für Ihren Beistand. So ungefähr isses.

Non Nomen

says:

Wäre es nicht an der Zeit, sich von dieser nervötenden, kräftezehrenden SchlechtUnleistungsbude zu trennen? Es gibt da in der Spremberger Straße einen Anbieter, der mir schon vor über 10 Jahren mal recht positiv aufgefallen war…

says:

RA-Micro ist eine eierlegende Wollmilchsau, die Herrschaft über Hardware und Büroorganisation beansprucht. Updates / Patches sind nervig, weil man nie VORHER erfährt, WAS die da ändern wollen – hinterher nachlesen zu können, was geändert WURDE, ist manchmal beruhigend, kommt aber zu spät. Und wenn da eine der Schnapsideen des Firmengründers dabei ist, die einen kompletten Umbau sämtlicher Module nötig macht – Mahlzeit. Welche Sub-Version läuft da eigentlich unrund?

says:

Habe gerade bei uns hier nachgesehen – Es werkelt Version 16.064.1. Dazwischen gab’s ein, zwei Murks-Patches. Wenn’s irgend geht: Update / Patch an der (!) einzigen (!) Maschine, die im ganzen LAN aktiv ist und im Admin-Modus läuft (!), herunterladen lassen und RAM danach wenigstens zwei Mal herunter fahren und neu starten. Dann an den anderen Geräten im LAN wiederholen. Sollte über die Funktion ‚Update wiederholen‘ funktionuckeln.

Wenn nicht (oder für einen DOS-/Linux-sozialisierten Befehlszeilen-Kontrollfreak):

Wirf‘ mal einen Blick in :\ra\winexe\update.

Da wird die jeweils vorangegangene Update- / Patch-Programmdatei „*.alt“ genannt und die tatsächlich erneuerte, installierte ist ausführbar und endet mit „*.exe“. Was natürlich nur klappt, wenn der Nutzer der Maschine die das als erster bzw. als letzter aus dem INet gezogen hat, in diesem Verzeichnis im Netzwerk-Laufwerk Schreibrechte hat.

Um die RAM-Installation auf eine Vorversion oder auf die tatsächlich aktuelle zu bringen, musst Du halbwegs geschickt umbenennen, dann ausführen. Z.B. *.exe in *.exe.ganzneu, dann *.alt in *.exe oder vice versa, nach Bedarf. Dann von dort aus ausführen. Das kriegen auch Mausschubser dank Explorer wieder hin.

Ich wollt‘ schon immer eine Selbsthilfegruppe, am besten mit Markus, aber ich lese ja Deine Bewerbung dafür :)

Philipp R. Bergmann

says:

Ist aber schon lange her wenn man noch „daß“ anstatt „dass“ schreibt. Im Jahre 2016 sind die Softwarelösungen vielfältiger.

  • Ja, Sie haben Recht. Zeichensetzung wird auch überbewertet. Und: Ich kaufe ein „als“. Tja, und den Zeiten, in denen man ein „e“ an den Dativ dranhing, trauere ich auch schon lange hinterher. crh

says:

Es „beruhigt“ mich ja sehr, dass auch andere Kanzleien seit dem 2016er Update quasi nicht mehr arbeiten können – die Hotline reagiert bei uns meist so, als ob wir ein Einzelfall wären.

Wir führen unsere Akten ausschließlich (!) digital und arbeiten auch mit WebAkte und Scans. Toll ist es auch, wenn dieser Posteingang im Nirvana verschwindet – ohne dass dieser im zentralen Postkorb oder E-Postkorb der Sachbearbeiter erscheint. Den findet man erst, wenn Mandanten anrufen und fragen, warum man nicht antwortet. Wie soll man da arbeiten? Die telefonisch Hotline reagiert auf solche Beschwerden recht gelangweilt. Da wünscht man sich ersntahft, dass RA-Micro selbst mal mit deren eigenen Software arbeiten müsste…

Kurze Off-Topic Frage: Gibt es eine wirkliche Alternative zu RA-Micro? Das sollte möglich sein: 100% digitale Aktenführung (mit Verfügungen zwischen Nutzern), WebAkte, Buchhaltung/Kontoimport und Forderungsmanagement. Oder hat auch die Konkurrenz Probleme und sollen wir lieber auf die nächstens Patches warten? Ich wäre für Tipps dankbar.

Viele Grüße
RA Hufschmid

Markus Wekwerth

says:

Lexolution der STP AG. Damit arbeiten wir schon seit Jahren papierlos.

Rechtsanwalt Hufschmid

says:

Jetzt möchte ich meinen Post doch nicht so im Internet stehen lassen: Nachdem wir uns bei unserem lokalen RA-Micro Händler (Michgehl & Partner) beschwert haben, haben diese unsere Beschwerden direkt an die Geschäftsleitung weitergegeben – nur zwei Stunden später haben wir einen Anruf vom Leiter des Kundenservices erhalten und uns wurde schnelle Abhilfe versprochen. Und siehe da: Nicht einmal 24 Stunden bekommen wir einen Rückruf aus der Programmierabteilung und uns wurde mitgeteilt, dass unsere Probleme im aktuell verfügbaren Update behoben wurden. Und tatsächlich: Wir können wieder arbeiten!

Hoffen wir nur, dass der Support künftig auch „normale Beschwerden“ wieder schneller bearbeitet. Bis zur 2016er Version war der Support nämlich super.

says:

Was nützt eine Fristsetzung ohne Konsequenzen? Vertrag kündigen und das ersparte Geld dafür verwenden, einen Mitbewerber mit der Portierung auf dessen System zu beauftragen. Die müssen doch Schlage stehen.

says:

Was nützt eine Fristsetzung ohne Konsequenzen? Vertrag kündigen und das ersparte Geld dafür verwenden, einen Mitbewerber mit der Portierung auf dessen System zu beauftragen. Die müssen doch Schlange stehen.