RA-Micro: Gut, daß wir drüber geredet haben

222896_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.deDie Erfahrung aus zwei Jahrzehnten Strafverteidigung hat sich einmal mehr bestätigt: Die größten Probleme entstehen immer dann, wenn man nicht miteinander spricht.

Deswegen hat es am Dienstagmorgen ein Gespräch gegeben: Hochrangige Vertreter unserer Kanzlei hatten hochrangigen Besuch von RA-Micro.

Es hat sich ein fruchtbares Gespräch entwickelt, das von zwei engagiert vorgetragenen Opening Statements eingeleitet wurde. Es hat ein die Luft reinigendes Donnerwetter gegeben.

Unsere Kritik machte sich im Wesentlichen daran fest, daß wir das Gefühl bekommen hatten, nicht ernst genommen zu werden. Die Delegation aus dem Europa-Center reklamierte nachdrücklich meine Pöbeleien Angriffe auf die Macher von RA-Micro, im Blog und in meinen Schreiben an die Geschäftsleitung.

Trotz der unterschiedlichen Sprachen – hier der Strafverteidiger mit dem Bidenhänder, dort der situierte Zivilist mit dem Florett – haben wir uns schließlich verstanden. Schließlich fuchteln wir ja um dieselbe Sache.

Wir konnten in der reinen Luft die Ziele sehen:

  • Unsere Kanzlei möchte eine Software, mit der sie entspannt arbeiten kann.
  • RA-Micro möchte Kunden, die mit der „verkauften“ Software – und dem Support – zufrieden sind.

Die Basis für diese Ziele ist ein gegenseitiges Vertrauen. Das soll wird nun wiederhergestellt werden.

Das heutige Gespräch war ein sehr guter Anfang. Dafür und für den Besuch in unserer Kanzlei bedanke ich mich bei unseren Gästen.

Nur eines nehme ich den Besuchern krumm:
Unseren leckeren Caffè haben sie nicht haben wollen. Aber deswegen das Blog hier weiterzuführen? Das isses nich Wert. 😉

So Long, liebe Blogleser, and Thanks For All the Fish.

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Bild: © RainerSturm / pixelio.de

15 Comments for “RA-Micro: Gut, daß wir drüber geredet haben”

says:

Ihr Optimismus ehrt Sie.

  • Strafverteidiger sind Berufsoptimisten; sie sehen stets das Gute im Menschen zuerst. crh

blogspargel

says:

Also, ich hätte auch gerne über die Erfolgsstory gelesen, vor allem vor dem Hintergrund, ob RA-Micro jetzt tatsächlich seinen eigenen Ansprüchen und den vertraglichen Verpflichtungen gegenüber seinen Anwendern gerecht wird.

Ich glaube auch nicht, dass für Ihre Kanzlei die Welt nur seit dem Update 2016 nicht mehr in Ordnung war, die von Ihnen benannten strukturellen Schwächen (Hotline, Fehlerkorrekturen) gibt es ja schon seit Jahren. Es gibt Anwender, denen geht es schon lange so.

  • Es hat aber nur wenige Strafverteidiger darunter gegeben, die geborene Siegerländer sind. crh

Ungewöhnlich an dem ganzen Geschäftsmodell ist auch, darüber haben Sie sicherlich nicht gesprochen, dass es kein vernünftiges Anwenderhandbuch gibt, in dem man etwas nachlesen kann, nur Onlineartikel,

  • Wir hatten das DATEV-Anwalt-Pro Handbuch im Regal stehen. Jahrelang. Ungelesen. crh

zudem gibt es keine Know-How-Datenbank, wo man aktuelle Berichte, Fehlersituationen und Workarounds findet. Im Bedarfsfall muss man sich kostenpflichtig an einen Partner wenden. Wollen die Anwender das nicht, müssen sie sich das mühsam selbst erarbeiten und in Foren (z.B. FoReNo) austauschen. Einmal darauf angesprochen, hat mir ein Mitglied der Geschäftsleitung erklärt, dass diese Know-How-Datenbank, die es intern gibt, nicht ginge aus datenschutzrechtlichen Gründen. „Betriebswirtschaftlich“ war wohl, was es meinte.
Bei allen „Marktführern“ gibt es solche Datenbanken, nur nicht bei RA-Micro ….

  • Na, was denn nun? Gedrucktes Handbuch oder Online-Datenbank? 😉 crh

Ich bin gespannt, ob es jetzt für alle Anwender besser wird.

  • Es wird sich jetzt was bewegen, davon bin ich überzeugt. In welcher Intensität, das werden wir sehen. Wenn’s nicht reicht, sollten/werden wir, die Anwender, nachfordern. Die dazu notwendige Sensibilität bei RA-Micro ist (spätestens jetzt) vorhanden. crh

RA Helge

says:

Bisschen schade. Hatte irgendwie gehofft, dass dabei „mehr“ rauskommt und hinterher alle Anwender was davon haben. RA-Micro hat noch genug Fehler, die bisher hier keine Erwähnung fanden und teilweise schon seit Jahren bestehen Dass mir ja keiner auf die Idee kommt, direkt im WDM Gerichtskosten zu berechnen – außer, man möchte die 2013 gültigen.
Und dass ich hier noch niemanden gehört habe, der sich nicht darüber beschwert, dass lt. Hotline „die Geschäftsführung“ (von RA-Micro!) entschieden hat, dass in Rechnungen nach einem Gegenstandswert nun eine nicht entfernbare Leerzeile steht…? Was schreibt mir die Geschäftsführung von RA-Micro vor, wie ich meine Rechnungen zu formatieren habe? Ob über dem Gegenstandswert eine Leerzeile kommt, ist seit je her frei wählbar, die darunter ist Zwang. Das führt jetzt zu papierverschwendenden, irreführenden Rechnungen:

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Gegenstandswert: 800,00 €
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Geschäftsgebühr §§ 13, 14 RVG, Nr. 2300 VV RVG 1,3 104,00 €
Gegenstandswert: 1.000,00 €
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Verfahrensgebühr § 13 RVG, Nr. 3100 VV RVG 1,3 104,00 €
Anrechnung gem. Vorbem. 3 IV VV RVG aus Wert 800,00 € 0,65 -52,00 €
– Pauschale Nr. 7002 VV RVG in Höhe von 20,00 € bleibt bestehen –
Terminsgebühr § 13 RVG, Nr. 3104 VV RVG 1,2 96,00 €
Gegenstandswert: 1.200,00 €
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Verfahrensgebühr Zwangsvollstreckung § 13 RVG, Nr. 3309 VV RVG 0,3 34,50 €
Zwischensumme der Gebührenpositionen 286,50 €

Wahlweise kann man eine Leerzeile über den Gegenstandswert setzen lassen, so dass dieser einzeln, alleine und verloren da steht und 3 Zeilen braucht. Warum ist das wahlweise nicht auch darunter möglich?
Ist auch neu 2016, betrifft den Strafrechtler wohl eher selten, ist aber ein Problem, da die Rechnungen nach Erstellung manuell umformatiert werden müssen. Im Rechnungsordner allerdings bleiben sie „falsch“.
Ebenso funktioniert die Textausgabe hinsichtlich von Verrechnungen von Teil-/Vorschussrechnungen seit 2016 nicht mehr und wirft einfach alle Textbausteine raus.
Die Rechnungsvorschau beim Erstellen der Rechnung läuft Amok und schreibt, wenn man zwischen den verschiedenen Masken vor- und zurückgeht, mehrere Bausteine nacheinander. Änderungen in der Rechnung, die man von Hand in der Vorschau vornimmt (was geht – und sinnvoll ist, da nur dortige Änderungen im Rechnungsordner landen) werden jetzt gelöscht, außer man macht sie im letzten Bildschirm. War zuvor möglich. Hier werden Benutzereingaben einfach weggeworfen.
Da ist so viel im Argen, und die Hotline sagt nur „das hat niedrige Priorität, weil das Erstellen von Rechnungen ja grundsätzlich funktioniert“ oder „senden Sie halt einen Verbesserungsvorschlag per E-Mail“.
Ach, hat in letzter Zeit mal jemand einen Blick in den Rechnungsordner geworfen? Fehlen da bei Ihnen auch die Beschreibungen zu den in der letzten Zeit erstellten Rechnungen? Dafür gibts seit ein paar Tagen nen Patch, der ist nur nicht offiziell online… solange werden weiter fröhlich Rechnungen ohne Beschreibung in den Rechnungsordner gespeichert.
Hat mal jemand die Verzugszinsenabfrage im Aktenkonto probiert? Die funktioniert nicht. Das heißt, die funktioniert schon, aber nur, wenn das Aktenkonto auf „Saldendarstellung“ geschaltet ist. Sonst rechnet die Verzugszinsenabfrage falsch. Ohne Hinweis.
Und es geht ewig so weiter.
Hat nicht irgendein Kollege Lust, die Arbeit der RA-Micro Software AG zu machen und eine Art Bugtracker aufzusetzen, wo wir uns gegenseitig über die bekannten Fehler informieren können, Lösungsansätze austauschen und evtl. somit – ähnlich diesem Blog hier – auch ein Wenig Druck ausüben könnten? Weil was will man ansonsten der Hotline schon antworten, wenn diese behauptet, andere Kunden hätten damit kein Problem?

says:

Mir hat man meine Kündigung rückwirkend bestätigt und das Pflege-Entgelt für 2 Monate zurück gezahlt. Warum auch immer, schien man keinen Wert darauf zu legen, mich länger als Kunden zu behalten. Für freuen uns jetzt auf eine neue, kostengünstigere Software, die auch weniger technische Anforderung stellt.

A.R.

says:

Das wäre vielleicht das erste Mal, dass ein Krisengipfel *hust* ein baldig greifbares Ergebnis hätte, aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben 😉 Bin dann mal auf die nächsten Patches gespannt, bis jetzt vermeide ich wo es geht.

  • Die Einspielung von Patches nehmen wir auch nur dann vor, wenn wir darin die Lösung eines Problems erwarten können, das wir aktuell haben. Was geflickt werden soll, kann man vor der Installation nachlesen. Wenn nichts kaputt ist oder wenn mit dem veröffentlichten Flicken nichts repariert werden soll, halten wir uns auch an den Grundsatz: Never change … .

    Aaaaber: Nach den mir bisher vorliegenden Informationen werden in späteren Patches die älteren Flicken gleich mit eingearbeitet. Der Verzicht auf die Änderung des laufenden Systems hat also nur eine überschaubare Halbwertszeit. crh

RA Helge

says:

@crh: Ein Update sowie auch ein Patch lädt immer die ra\winexe\update\rmx.prg.exe (und ab und zu – „Fremdkomponenten“ (Zwangsinstallation Adobe Reader etc.) – rmx.stp.exe) herunter. Die rmx.prg.exe ist momentan ca. 700 MB groß und beinhaltet das komplette RA-Micro, aus dieser Datei kann auf einem „leeren“ Rechner das ganze RA-Micro installiert werden. Insofern ja, es ist hinterher das komplette RA-Micro aktualisiert, alle Änderungen drin.

Warum das Ganze dann „Patch“ genannt wird – vermutlich hat das „die Geschäftsführung“ so entschieden. Die zuständigen Entwickler hingegen dürften vermutlich wissen, wofür sich die Bezeichnung „Patch“ eigentlich steht – eine kleine Korrektur am _vorhandenen_ Code (ursprünglich z.B. durch „Stopfen“ von Löchern in Lochkarten).

Eh toll: im PD+ unter „Kanzlei“ gibt es getrennte Symbole für „Online Update“ und „Online Patch“. Klickt man „Online Update“, kommt ein Dialog, in dem man wieder die Wahl zwischen „Auf Update prüfen“ und „Auf Patch prüfen“ hat.
Klickt man hingegen im PD+ auf „Online Patch“, wird sofort begonnen, einen eventuell auf dem Server vorhandenen „Patch“ zu laden. Ich würde es ja einsehen, dass es während einer Übergangsphase zu Inkonsistenzen in der Benutzerführung kommt. Diese Inkonsistenz bzw. Inkonsequenz besteht nun aber schon jahrelang, auch vor dem PD+ steckte hier keine nachvollziehbare (oder wenigstens dokumentierte) Logik dahinter. RA-Micro ist der Ansicht, dass nichts geändert werden muss, solange das Updaten an sich funktioniert – ob der Benutzer sich jedesmal wundert und fragt, wie er die gewünschte Funktion denn nun am Besten aufruft, ist denen egal. Entweder der Benutzer merkt es sich, oder er klickt halt ein paar mal öfter. Klicks kosten RA-Micro ja nichts, nur den Kunden: Zeit.

Was die Unterscheidung zwischen Online-Update und Online-Patch überhaupt soll, wird auch nicht deutlich. Wenn man aktuell sein möchte, sollte man beide Funktionen anklicken.
„Auf Update prüfen“ meldet dann meist „Alle Dateien sind auf dem aktuellen Stand“. Dem widerspricht aber „Auf Patch prüfen“ oft mit „Update Server vvvxx.vv, Update Ordner vvvvv.yy, Update wird geladen“. Es gibt also offensichtlich – RA-Micro-Logik – einen aktuelleren Stand als den aktuellen.

Klickt man – wie ich jetzt gerade beim Testen für diesen Kommentar – mehrmals nacheinander auf „Online Patch“ wird einem auch mehrmals nacheinander gesagt, dass es einen aktuelleren Stand gibt, und dass der Patch nun heruntergeladen werde. Dann merkt RA-Micro, dass der Download bereits aktiv ist, und teilt das mit. Dann meldet RA-Micro, dass der Download fehlgeschlagen sei, dass noch weitere vier Versuche folgen werden. Irgendwann erfolgt dann ein neuer Versuch (während der ursprüngliche Download noch immer läuft), mit gleichem Ergebnis. Nebenher läuft dann der Downloader inzwischen das dritte Mal, und will wiederum seine fünf Versuche durchziehen, was aber nicht geht, weil ja der erste (und einzig benötigte) Download noch immer läuft. Diese Software schreit an so vielen Ecken und Enden danach, dass Sie mal von „der Geschäftsführung“ selbst benutzt werden möchte…
(Das Problem ist, dass man ein Wenig Erfahrung braucht, ab und zu mal mit unterschiedlicher Software unterschiedlichster, großer und kleiner Entwickler arbeiten muss, um überhaupt erkennen zu können, dass eine Funktion, wie sie in RA-Micro implementiert ist, umständlich und schlecht verständlich ist. Ich fürchte, eine gewisse Betriebsblindheit auf Entscheidungsebene, mangelnde Erfahrung im Umgang mit moderner Software, verhindert das Erkennen von akutem Verbesserungsbedarf. „Das haben wir schon immer so gemacht“ und „Das haben wir noch nie so gemacht“ sind vermutlich dort oft gesprochene Sätze.)

Meine Vermutung ist aber eh, dass da irgendwer irgendwann mal eine Idee zu einer Unterscheidung von Updates (große neue Versionen mit neuen Funktionen) und Patches (kleine Fehlerkorrekturen) hatte, diese in die UI eingebaut hat, dann aber nicht weiterkommuniziert oder die Firma verlassen hat, und jetzt wird halt der alte Code noch mitgeschleppt (weils einfacher ist als ihn zu entfernen), obwohl kein Sinn mehr dahinter steht, weil es jetzt nur immer noch das komplette Paket neu gibt (schön für die Kollegen auf dem Land mit 500er-DSL – jeder Patch 700 MB, da ist für Stunden die Leitung zu – die, hab ich mal gehört, auch für andere Sachen gebraucht wird…).

Non Nomen

says:

Eine -auf den ersten Blick- akzeptable Lösung. Ob sie Bestand hat? Ich würde (als crh, bin ich aber nicht) eher davon ausgehen, dass die Siegerländer Qualitäten über kurz als über lang noch dringend gebraucht werden. Als Mediziner (bin ich aber nicht) würde ich darauf tippen, dass sich in der „Geschäftsführung“ Resistenzen gebildet haben, die nur noch eine Siegerländer Rabatzkur zeitweilig niederhalten kann. Prognose: infaust.

says:

Das Blog nur wegen des Cafe weiterzuführen, wäre ja okay. Aber sollte es nicht weiter geführt werden, um die Fortschritte zu dokumentieren? Oder gibt es eine Geheimvereinbarung, das Blog abzuschalten ? 😉

Übrigens, wir sind wegen Programfehler einer anderen Anwaltssoftware (Verschwundene Dokumente in der elektrischen Akte u.ä.) zu Datev Anwalt pro gewechselt.

JB-Hamburg

says:

War das nicht der Hersteller der sich für die „Qualität“ seiner Software schriftlich bei seinen Kunden entschuldigt hat? Sollte man an dieser Stelle erwähnen, wenn man solche Namen als vermeintliche Empfehlung nennt.

Nomen

says:

„Das Blog nur wegen des Cafe weiterzuführen, wäre ja okay. Aber sollte es nicht weiter geführt werden, um die Fortschritte zu dokumentieren? Oder gibt es eine Geheimvereinbarung, das Blog abzuschalten?“

Diese Vereinbarung liest sich wenig geheim, sondern geht doch offenkundig aus dem Beitrag hervor. Neidlos ist aber zuzugestehen, dass „Zur Vermeidung von Weiterungen stellen wir das Blog ein und erhalten im Gegenzug die Zusicherung, dass alles gut wird“ selten so elegant formuliert wurde. :)