RA-Micro: Säckeweise Fehler, keine Reaktion

Das Problem mit den ausbleibenden Reaktionen des Supports von RA-Micro kennen nicht nur wir. Der Kollege Peter Hohlweg und seine Rechtsanwaltskanzlei in Grafing bei München hat die Beiträge hier im Blog zum Anlaß genommen, einen – wie ich meine – sehr moderaten Brief an die Geschäftsleitung geschickt, den ich mit seiner Zustimmung hier veröffentliche:

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau …,

ich höre leider aus Ihrem Haus seit mehreren Wochen nichts mehr in Bezug auf die die tägliche Arbeit weiterhin massiv beeinträchtigenden Fehler und Fehlermeldungen von RA-Micro, die ich im Anhang aufgelistet habe. Ich darf nur klarstellend darauf hinweisen, dass die identischen Fehlermeldungen mehrmals täglich, beim Druckversuch einer WebAkte-Nachricht im E-Postfach beim Senden an die E-Akte sogar ausnahmslos auftreten – letzteres seit nunmehr einem Monat!

Ich zahle ab sofort die Vergütung für den „Support“ nur noch unter Vorbehalt der Rückforderung, da ich mit der Leistung von RA-Micro (nach langen Jahren meiner Geschäftsbeziehung seit 2001 und dem Funktionieren der WebAkte seit 2007 ohne diese von RA-Micro zu vertretenden Fehler und Fehlermeldungen) derzeit äußerst unzufrieden bin. Die Geltendmachung weiterer Rechte bis hin zu Schadensersatzforderungen bleibt ausdrücklich vorbehalten.

Mein Kollege in der Kanzlei muss im Internet in entsprechenden Foren feststellen, dass ich nicht der einzige Geschädigte der jüngsten Programmierversuche Ihres Hauses bin. Vielleicht sollte sich der Servicegedanke insoweit durchsetzen, dass auch Anwaltskanzleien sich nicht als Versuchskaninchen für scheinbar unausgegorene und in Teilen offenbar dauerhaft fehlerhafte Programmierleistungen eignen und Ansagen bei der „Hot“-Line, dass mit Wartezeiten bis zu 40 Minuten zu rechnen sei – nach der Programmumstellung nicht verwunderlich, wenn es anderen Nutzern wie mir gehen sollte – allein schon mit dem begrifflichen Verständnis einer „Hot-Line“ nicht in Einklang zu bringen sind.

Ich empfinde es zudem als äußerst unbefriedigend, dass mir immer nur die Information gegeben wird, man arbeite an der Beseitigung des Fehlers – und dies über Wochen und Monate hinweg. Hat Ihr Haus keine Datensicherung aus der Zeit vor der den Kunden aufgezwungenen Umstellung des Programms, als dies zumindest in den von mir beanstandeten relevanten Punkten noch fehlerfrei gelaufen ist? Auf diesen Programmstand sollte das führende Systemhaus für Anwaltssoftware – oder habe ich dies falsch in Erinnerung? – doch zurückgreifen können.

Wurde eigentlich ein „Downgrade“ in Erwägung gezogen, damit man auch mit der WebAkte wieder so komfortabel, sicher und zuverlässig arbeiten kann, wie ich dies über mehr als 8 Jahre hinweg gewohnt war?

Wenn nunmehr bis 31.03.2016 keine Abhilfe geschaffen ist, werde ich – ich hatte dies in eigenen Angelegenheiten mit einem langjährigen Geschäftspartner nicht für erforderlich gehalten – rechtliche Schritte der Beweissicherung in Betracht ziehen, weil der jetzige Zustand völlig inakzeptabel und eine Mangelbeseitigung nicht einmal konkret in Aussicht gestellt ist.

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass die mit den Mängeln konfrontierten Supportmitarbeiterinnen ausnahmslos höflich und hilfsbereit, jedoch aus offenbar technischen Gründen nicht zur Abhilfe in der Lage waren. Allein der Zeitaufwand, den ich selbst am Telefon mit allesamt im Ergebnis erfolglosen Odysseen in verschiedenen Programmstrukturen und -untiefen verbringen musste, erreicht in der Gesamtheit sicherlich einen normalen – und bei mir wahrlich nicht kurzen – vollen Arbeitstag – von den Einschränkungen in der Benutzbarkeit und den Irritationen bei Mitarbeitern und Mandanten als Kunden der WebAkte ganz zu schweigen.

In womöglich wieder vergeblicher Erwartung einer in Bezug auf die Mangelbeseitigung zielführenden Rückäußerung verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen

Peter Hohlweg
Rechtsanwalt

Rechtsanwalt Hohlweg hat diesem Brief 51 Anlagen, allesamt Screenshots von Fehlermeldungen im Zeitraum 22.01.2016 bis heute, beigefügt. Die Fehlermeldungen und der damit verbundene Aufwand und Frust sind für sich genommen schon Ärgernis genug. Die ausbleibenden Reaktionen der Techniker und der Geschäftsleitung setzen dem noch eins obendrauf. Das ist nicht akzeptabel.

Bestätigen möchte ich den Bericht des Kollegen Hohlweg, soweit er die Supportmitarbeiter betrifft. Bisher hatten auch wir es durchweg mit freundlichen, hilfsbereiten und meist auch kompetenten Leuten zu tun. An die Supporter deswegen einmal auf diesem Wege ein herzliches Dankeschön!

9 Comments for “RA-Micro: Säckeweise Fehler, keine Reaktion”

Andreas

says:

Ehrlich gesagt, mich wundert mit welch einer Engelsgeduld die Anwälte in diesem Fall agieren. Wenn so etwas in unserer Firma passiert wäre und unser ERP Anbieter sich so verhalten würde, hätte es in einer kleinen Stadt im Süden des Rhein-Neckar-Kreises schon längst einen Flashmob mit Fackeln und Mistgabeln gegeben.

skugga

says:

Online Patches sind ja echt mal DER Tip… Ist ja nicht so, dass nicht quasi wöchentlich eines von den Dingern reinrauscht und danach dann die ein oder andere Kleinigkeit behoben, dafür aber gleich ein neues lustiges Fass aufgemacht ist…

Ich hab inzwischen mit RAM zu tun seit seligen Dos-Ebenen-Zeiten Anfang der 90er, und zur Weißglut treiben konnte RAM einen immer schon, aber derzeit schießen sie echt den Vogel ab.

says:

Ich kann nur Datev Anwalt Pro empfehlen. Da spart man sich die grauen Haare.

  • Neben den monatlichen Zahlungen an DATEV sind die grauen Haare unabdingbare Voraussetzung dafür, daß man Anwalt Pro nutzen darf. Deswegen sind wir von denen weg. crh

says:

Wir nutzen DATEV Anwalt Pro seit 6 Jahren und graue Haare hab ich noch keine :) auch wenn es nicht die günstigste Lösung ist, funktioniert die SW recht stabil und die Latenzen sind in unserem Netzwerk mit ca. 20 Clients OK. Wir verwalten damit ca. 11000 rein digitale Akten und ca. 470000 Dokumente.

says:

Das neue Update ist der Hammer. Jetzt kann man von Outlook aus keine E-Mails mehr zur E-Akte speichern – die Nachrichten lassen sich zwar speichern, aber lesen kann man sie nicht mehr.

  • Lieber Kollege, das Problem hatten wir nach dem Update auch. Die Preview funktionierte nicht mehr bei eMail im ASCII-Format. HTML-Mails wurden korrekt dargestellt. Seit dem letzten Patch funktioniert das jetzt auch wieder. crh

Toll.

Hat RA-Micro eigentlich Beta-Tester?

says:

Online Patches sind furchtbar, fast jede Woche wird etwas verschlimmbessert. Sei es auf dem PC oder Mobiltelefon, diese ständigen Updates können einem den letzten Nerv rauben, wenn danach nix mehr funktioniert oder Einstellungen gesucht werden müssen.