RA-Micro: Syndikus und Beschwerdemanagement statt Fairness

546125_web_R_K_B_by_fritz zühlke_pixelio.deWir sind nicht die Einzigen, die an die Geschäftsleitung und an den ehemaligen Kollegen Dr. Peter schreiben, der sich in blumigen Worten auf der Unternehmensseite von RA-Micro eines ehrbares Geschäftsgebaren als Grundlage seines geschäftlichen Handelns berühmt.

Ein Kollege, dessen Fachanwaltskanzlei ihren Schwerpunkt im Zivilrecht hat, stellte uns über unsere Kontaktadresse Redaktion@Kanzleisoftware-Berlin.com seinen an den front man von RA-Micro gerichteten Hilferuf zur Verfügung:

Sehr geehrter Herr Kollege Dr. Becker,

leider sind wir gezwungen, nach vielen enttäuschenden Erlebnissen mit der Software RA-Micro, die wir hier seit 2008 einsetzen, uns persönlich an Sie zu wenden.

Die Situation stellt sich so dar, dass wir seit der Einführung des RA-Micro eigenen Kalenders nicht mehr die Software einsetzen, die wir seinerzeit bestellt haben und für die wir Lizenzgebühren bezahlen sollen.

Beginnend ab diesem Zeitpunkt ist die Software an vielen Punkten unerträglich langsam und mängelbehaftet. Der Kalender zeichnet sich neben einer als überaus trägen Geschwindigkeit dadurch aus, dass bevor eine erste Eingabe möglich ist, dieser aus dem „Tiefschlaf“ geweckt werden muss, also in den ersten 20 – 25 Sekunden nach einem Aufruf des bereits gestarteten Kalenders keine Reaktion erfolgt. Ein Wechsel zwischen Wochen oder gar Monaten ist dann bereits eine Frage von mehr als 30 Sekunden. Terminvergaben sind so oft nur schwer möglich. Hier wird dann eher ein Mobilgerät eingesetzt, als Ihre Software.

Hinzu kommt, dass der Support derzeit entweder nicht erreichbar ist, oder keinerlei Rückmeldungen auf Fehlermeldungen oder Fragen erfolgen. Das vorgesehene Online-Formular ist ein schlechter Witz. Sollen da tatsächlich jedes Mal erneut Kundendaten etc. eingegeben werden? Das ist dermaßen unzeitgemäß, dass es kaum in Worte zu fassen ist.

Mangelhaft sind auch die ständig abstürzenden Addins für Word und andere Produkte. Die beiden Wordschnittstellen sind grundverschieden. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum beide unterschiedliche Funktionsumfänge bieten. Warum ist z.B. die Anbindung zur Web-Akte nur in der einen Version, die hier eher nicht eingesetzt werden soll, vorhanden?

Die Anbindung zur Webakte ist dabei im gesamten Programm lieblos und schlecht programmiert. Die Word Schnittstelle stürzt bei der direkten Übergabe ständig ab und schickt dann eine Version mit Platzhalten (Frist 7 Tage) an die Webakte. Das ist nicht im Sinne des Erfinders. Allgemein kann man sagen, dass das gute Produkt Web-Akte durch die Verbindung zu RA-Micro zu einem nur noch ausreichenden Produkt wird.

Zum Thema Workflow ist anzumerken, dass das RA-Micro eigene Mailprogramm unnötig kompliziert ist und nicht einmal dauerhaft die Wahl einer Schriftart zulässt. Nutzt man dieses Modul, können E-Mails zwar versendet werden. Maileingänge können aber nur über das E-Postfach eingelesen werden. Arbeitsabläufe, wie das Antworten auf eingehende E-Mails, sind außerhalb von Outlook nicht möglich. Das ist doch kein Workflow, wie er im Jahr 2016 möglich sein sollte.

Die Mandantenverwaltung macht es möglich, anzugeben, wie mit dem Mandanten kommuniziert werden soll (E-Mail, Web-Akte). Einfluss auf späteren Workflow hat die Angabe allerdings nicht.

Es gibt zahllose weitere Mängel und Unzulänglichkeiten im Programm, die von unseren Mitarbeiterinnen genannt werden können und die wiederholt gemeldet oder mit Mitarbeitern in Ihrem Haus besprochen wurden. Wie Eingangs ausgeführt, stellt sich die Situation so dar, dass wir zu der Meinung gekommen sind, dass Gespräche etc. mit dem Support nicht mehr zielführend sind. Die Tendenz der Software zu Insellösungen macht uns eher skeptisch als zuversichtlich.

Nach alledem sehen wir es als angemessen an, die Lizenzgebühren ab März 2016 zu kürzen. Daher widerrufen wir vorsorglich die erteilte Einzugsermächtigung, erwarten aber, dass kurzfristig eine Reaktion aus dem Haus erfolgt, um Wege aufzuzeigen, wie wieder Vertrauen in das Produkt gewonnen werden kann.

 
Ehrbar wäre jetzt eine eigene Reaktion des Dr. Peter Becker gewesen. Statt der von ihm selbst aufgestellten Maxime einer fairen, kulanten Kundenbeziehung zu folgen, schickt er dem Kollegen das Beschwerdemanagement und einen Syndikusanwalt an den Hals, der monetäre Forderungen durchzusetzen versucht und eine zivilrechtliche Kleinkrämerei betreibt.

Besonders bemerkenswert ist, daß der Kollege in seiner Kanzlei teilweise dieselben Probleme mit RA-Micro durch das Update hatten wie wir. Diese Probleme waren RA-Micro auch bestens bekannt. Trotzdem drängte man uns dazu, ebenfalls diese Update einzuspielen. Über den Schaden, den RA-Micro durch diesen Eingriff in unseren Kanzleibetrieb angerichtet hat, unterhalten wir uns dann notfalls später. Sofern auch bei uns so ein Dr-Becker-Syndikus aktiv wird.

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Bild: © fritz zühlke / pixelio.de

1 Comment for “RA-Micro: Syndikus und Beschwerdemanagement statt Fairness”

A.R.

says:

Ich müsste mal in meinen uralten RA-Micro-Vertrag sehen was da als Support verkauft wird und wofür ich monatlich eine dreistellige Summe zahle. Evtl. ergibt sich daraus ein Zurückbehaltungs-/Minderungsrecht. Was der Fachanwaltskollege da schreibt kann ich mehrheitlich bestätigen- mit Ausnahme der Webakte welche wir nicht verwenden. Das Programm ist gewuchert, nicht gewachsen und in Teilen hat es niemals einen UI-Designer gesehen. Fette Kacheln sind nicht die modernste Lösung. Der Mist ist ja nicht mal kontextsensitiv für tiefere Funktionen des Kachelbereichs. Und nein, ich will mich nicht durch Ebenen von gleich wirkenden Desktops durchklicken welche keine visuelle Orientierung bieten. Dafür gibts bei Rechtsklick ein animiertes nichts Sagendes und nichts taugendes Wahlkaleidoskop. Ich will keine Videos gucken sondern mit dem Zeug arbeiten. Verschenkter Aufwand.

Wiederholung von Icons für grundverschiedene Funktionen und grußloses Verabschieden von langjährig vorhandenen kleinen Helferlein wie „Mandantenname-/adresse in Kurz-/Langform“ in das RA-Menü (ohne wählbaren Shortcut) machen den Anwender auch nicht glücklicher. Die beliebigen Icons sowieso nicht, aber das hatte ich schon einmal.
Vielleicht ist es nach zwanzig Jahren RA-Micro mal Zeit für einen Wechsel.